Heute ist mein Jubiläum. 11 Jahre als Hochzeitsfotografin. Wenn ich diese Zahl schreibe, fühlt es sich gleichzeitig unglaublich lang und wie ein Wimpernschlag an.
11 Jahre voller Liebe, voller Begegnungen, voller Geschichten. Aber auch 11 Jahre voller Zweifel, schlafloser Nächte und Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob ich stark genug bin, diesen Weg weiterzugehen.
Wenn ich an die schönen Seiten denke, sehe ich vor allem euch: all die wunderbaren Paare, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Menschen, die ich an einem der wichtigsten Tage ihres Lebens begleiten durfte. Ich durfte Tränen der Rührung festhalten, dieses Zittern in der Stimme beim Eheversprechen, das Lachen nach der Trauung, wenn endlich alle Anspannung abfällt.
Ich durfte an Orte reisen, von denen ich früher nur geträumt habe. Von kleinen Kapellen in den Bergen bis hin zu mediterranen Küsten in Italien Orte, die durch eure Geschichten für immer mit mir verbunden sind. Ich denke an Sonnenuntergänge über dem Meer in der Nähe der Amalfiküste, an emotionale Shoots in der Provence und an elegante Stadthochzeiten in Paris.
Aber noch mehr als die Orte sind es die Menschen. Paare, die mich so herzlich aufgenommen haben, dass ich mich eher wie eine Freundin als wie eine Dienstleisterin gefühlt habe. Familien, die mich umarmt haben, als würde ich schon immer dazugehören. Es gab Hochzeiten, bei denen ich dachte: „Ich glaube, sie haben mich gerade adoptiert.“ Und genau diese Momente sind es, die mein Herz bis heute wärmen.
Nach außen sieht dieser Beruf oft rosarot aus. Wunderschöne Bilder, lachende Paare, Sonnenlicht, das perfekt durch den Schleier fällt. Auf Social Media wirkt alles wie ein einziger, endloser Love-Song.
Aber was man selten sieht: die andere Seite.
Die schlaflosen Nächte vor einer großen Hochzeit. Die Angst, krank zu werden. Die Verantwortung, die auf meinen Schultern liegt denn diesen Tag gibt es kein zweites Mal.
Die finanziellen Unsicherheiten, gerade am Anfang. Monate, in denen ich nicht wusste, ob genügend Buchungen reinkommen. Jahre, in denen ich jeden Cent wieder in mein Business investiert habe in Kameras, Objektive, Workshops, Coachings. Weiterbildung ist in unserer Branche kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Ich habe unzählige Stunden und viel Geld investiert, um mich weiterzuentwickeln, um Trends zu verstehen, um meinen Stil zu finden und zu verfeinern.
Und trotzdem bleibt da immer diese leise Frage: Wohin entwickelt sich die Branche? Wie verändern sich Erwartungen? Wird meine Arbeit auch in ein paar Jahren noch gefragt sein?
Ich glaube, kaum jemand spricht offen darüber, wie viele Ängste Selbstständigkeit mit sich bringt. Als Einzelunternehmerin trage ich viele Hüte gleichzeitig. Ich bin Fotografin, Buchhalterin, Marketing-Managerin, Social-Media-Redakteurin, Kundenberaterin, IT-Support, Bildbearbeiterin, Strategin und manchmal auch meine eigene Therapeutin.
Ich plane, ich organisiere, ich schreibe Rechnungen, ich beantworte E-Mails bis spät in die Nacht. Und ja, es gab Momente mit Angstattacken. Momente, in denen ich dachte, ich schaffe das alles nicht mehr. Momente, in denen ich nach außen gelächelt habe, während ich innerlich völlig erschöpft war.
Denn Selbstständigkeit bedeutet Freiheit – aber auch volle Verantwortung. Es gibt kein Sicherheitsnetz. Kein festes Gehalt am Monatsende. Nur mich, meine Arbeit und das Vertrauen, dass es weitergeht.
Und trotzdem: Ich würde diesen Weg wieder gehen.
Weil ich in diesen 11 Jahren nicht nur Hochzeiten fotografiert habe ich bin gewachsen. Als Unternehmerin. Als Künstlerin. Vor allem aber als Mensch.
Ich habe gelernt, meiner Intuition zu vertrauen. Ich habe gelernt, dass Perfektion nicht das Ziel ist sondern Echtheit. Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen. Und ich habe gelernt, dass Stärke nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern weiterzugehen, obwohl sie da ist.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich keine perfekte, glatte Karriere. Ich sehe eine Reise. Mit Höhen, mit Tiefen, mit Umwegen. Mit Zweifeln aber auch mit unfassbar viel Dankbarkeit.
Dankbarkeit für jedes Paar, das mir seine Geschichte anvertraut hat. Für jede Umarmung nach der Trauung. Für jede Nachricht Monate später, wenn meine Paare schwanger wurden und ich wieder Teil eines neuen Kapitels sein durfte.
11 Jahre.
Ich bin nicht mehr dieselbe wie am Anfang. Und genau das ist gut so.
Heute feiere ich nicht nur mein Jubiläum. Ich feiere Mut. Durchhaltevermögen. Wachstum. Und all die unsichtbaren Kämpfe, die niemand auf Instagram sieht.
Danke an alle, die Teil dieser Reise sind. Danke für euer Vertrauen. Danke für eure Offenheit. Danke für eure Liebe.
Auf die nächsten Jahre mit echtem Lachen, echten Tränen und ganz viel Herz.
xoxo, Julia




















